Muh,
ich weiß nicht warum, aber abends nach drei, vier, fünf Bier kommt man immer auf die dümmsten Gedanken. In meinem Fall war dies die Anmeldung zum Steelman in Hannover. Dabei war die Anfangsidee eine völlig andere... und zwar wollte ich einfach mal an einem Hindernislauf teilnehmen. Bei weitem aber nicht im Dezember. Nun, mein Abend nach ein paar Bier Ich suchte also nach den kommenden Läufen im Sommer und stieß dann aber nach kurzer Zeit auf einen Lauf, der sogar noch im Dezember stattfand. In meinem Zustand dachte ich nicht weiter nach und meldete mich also für 60 Euro (war ja eine spätere Anmeldung, deswegen der erhöhte Preis) an. Am Anfang sogar für die 18 km Strecke. Am nächsten Morgen wurden mir die Auswirkungen dann erst klar und ich stellte schnell fest "scheiße, da sind es ja gerade einmal 2 Grad....". Für eine Abmeldung war es jedoch schon zu spät. Meine einzige Hoffnung war zumindest, die erfolgreiche Ummeldung auf "nur 9km" Nässe und Frost.
Freunde und Kollegen hielten mich für verrückt und keiner wollte sich mir anschließend. Das einzige was sie mir mitgaben waren hilfreiche Sprüche wie "bist du bekloppt?!" oder der grandiose Tipp von Mutti "lauf schnell, dann bist du schneller im Ziel".
Die Hindernisse wollte ich mir von vornerein nicht vorher angucken, damit ich mich nicht doch noch um entscheide, doch nicht zu fahren.
Am vergangenen Sonntag ging es dann in aller Frühe los. Zu meinem Glück im Schnee und Regen. Die erwartete 60 Minuten Autofahrt wurde schnell zur 90 minütigen schwindenden Vorfreude. Nachdem die Startunterlagen abgeholt, und sämtliche Zeitmessgeräte angebracht waren begab ich mich zum Start. Als letztendlich zwei Moderatoren von FFN verkündeten, dass es der kälteste Steelman von allen ist, war auch das letzte Fünklein Vorfreude erloschen. Von 9 Grad Sonnig (letztes Jahr) auf 2 Grad Schnee war es ein großer Sprung, auf den ich gerne verzichtet hätte. Aber all das Meckern half nicht und ich versuchte mich mit meinen kommenden 90 minütigen Schicksal anzufreunden und das Beste draus zumachen. Noch vor dem Start lernte ich ein nettes Paar kennen. Daniel und Sandra. Er 36 ein ehemaliger Soldat, Sie 35, hatte vier Kinder zur Welt gebracht. Beide werden mich die ganze Strecke lang begleiten. Als dann der Startschuss ertönte war ich aber auf Wettkampfmodus und ich wollte es allen zeigen. Gleich das Erste Hindernis hatte es aber in sich. Es ging durch einen 1,3 Meter tiefen See. Noch am Vorabend habe ich mir überlegt, ob ich davor meine Socken ausziehen sollte, damit die zumindest trocken blieben. Dies war mir dann aber egal. Als vor mir dann eine Frau noch im Fluss stürzte und eine Runde tauchen ging wollte ich da einfach so schnell wie möglich durch. Durch diesen See sollte ich noch 4-mal laufen dürfen. Die Füße waren zwar am Anfang kalt aber mit jedem Schritt wurden sie immer wärmer. Das Problem war nur, dass die Veranstalter uns jede 500 Meter wieder durch ein Wasserhindernis liefen lassen, damit uns zumindest nicht zu warm wird. Sehr rücksichtsvoll von ihnen.... Bis Kilometer 7 durften wir durch mehrere Schlamm- und Wasserhindernisse robben und zusätzlich über Wände klettern. Auch führ die Armmuskelatur wurde gesorgt, als wir 400 Meter einen Autoreifen tragen durften. Ach und nebenbei wurden wir die gesamte Strecke von Schneebällen und Wasserballons beworfen. Die zuschauenden Kinder hatten also ihren Spaß. Das absolute Hilight stellten dann zwei wassergefüllte Container da. Auf diesen war eine Palette positioniert, weswegen wir unter dieser durchtauchen mussten. Schaff du es erstmal, deinem Kopf klar zu machen jetzt auch noch den Kopf unter Wasser zu bekommen.... als ich wenige Sekunden später wieder auftauchte schmerze der gesamte Körper und ich ließ meine Wut über diese beschissene Idee und die Kälte, per Schrei, freien Lauf. Aber es folgte keine Besserung, nein! Direkt dahinter kam ja auch noch das Selbe Hindernis. Die letzten zwei Kilometer in völlig durchnässten Klamotten hatten es in sich und nicht nur deswegen, weil ich mich schon mit der Amputation meiner erfrorenen Zehen abgefunden hatte. Wir durften noch unter mehreren Zäunen durchrobben und genau da kam Daniel wieder ins Spiel. Nicht nur das mir kalt war und ich Wasser im Gesicht hatte, wodurch schon 100 Leute durchliefen, nein ich durfte mir sogar noch von hinten anhören "David runter! mach das richtig!". Schlussendlich kam ich aber mit einer guten Zeit ins Ziel. Was für ein schwachsinniger Lauf mit schwachsinnigen Läufern.
Nächstes Jahr auf jeden Fall wieder!